WB-016Weber Erbe aus dem Wiesental
Constanze Weber und Wolfgang Amadeus Mozart
Kindheit in Zell, Ehe mit Wolfgang Amadeus Mozart und Witwenjahre: Was Constanze Weber leistete und wie sie das Werk von Mozart für die Nachwelt bewahrte.
Die Redaktion von Stromkreis · 7 Min. Lesezeit · Eintrag geprüft am

Constanze Weber aus Zell im Wiesental wurde Sopranistin, Ehefrau von Wolfgang Amadeus Mozart und Verwalterin seines Nachlasses. Du lernst hier, wie ihre Kindheit, ihre Wiener Ehejahre und ihre späte Arbeit an der Biografie und an den Handschriften zusammenhängen.
Die hier genannten Details hat die Redaktion auf Darstellung über Constanze Mozart nachgelesen.
Zell im Wiesental als Ausgangspunkt
Du kannst dir Zell als kleinen Amtssitz im Wiesental vorstellen. Dort kam Maria Constanze Caecilia Josepha Johanna Aloisia Weber am 5. Januar 1762 zur Welt. Sie war die dritte der vier Töchter von Franz Fridolin Weber und Maria Cäcilia Cordula Stamm. Ihr späterer Ehemann machte den Namen Mozart bekannt, doch ihre Verwandtschaft erstreckte sich auch auf Carl Maria von Weber, ihren Cousin. Wenn du heute durch Zell gehst, hilft dir der Blick auf Amtshaus, Kirche und Stadtpark, um diese Herkunft einzuordnen. Die Seite über Zell als Geburtsstadt von Constanze Weber erklärt dir Lage und Orte. Sie starb am 6. März 1842 in Salzburg und wurde dort auf dem Sankt Sebastiansfriedhof beigesetzt.
Warum verließ die Familie das Wiesental?
Im Juli 1764 zog die Familie nach Mannheim. Du musst dir diesen Schritt als Suche nach Arbeit am Theater vorstellen. Der Vater wirkte dort als Bassist und Kopist, also als Sänger in tiefer Lage und als Notenschreiber für den Theaterbetrieb. Die zweitälteste Schwester, Aloisia, bildete sich zur Koloratursopranistin aus, mit beweglicher Stimme für Verzierungen und schnelle Läufe. Für Constanze bedeutete Mannheim Unterricht durch Zuhören, Probenalltag und Umgang mit Bühnenleuten. Die Übersicht über Musiker und Sängerinnen der Familie Weber zeigt dir, wie diese Berufe ineinander griffen. Mannheim prägte damit ihr Gehör, lange bevor Wien ihr Wohnort wurde.
Wie lernte sie Mozart kennen?
Im Jahr 1777 kam es in Mannheim zum ersten Kontakt. Mozart und Constanze Weber lernten sich dort kennen, doch Mozart interessierte sich zunächst für ihre Schwester Aloisia. Erst 1781 kreuzten sich die Wege wieder in Wien, wohin die Familie Weber übersiedelt war. Aloisia hatte inzwischen Joseph Lange geheiratet. Mozart wohnte eine Zeit lang bei den Webers in Wien und wechselte dann die Wohnung wegen des Geredes der Leute. Für dich erklärt das, warum Nähe und Anstand damals die Wahl der Wohnung bestimmten. Aus Bekanntschaft wurde allmählich Bindung, und aus Bindung wurde ein Heiratsplan nach kirchlicher Ordnung.
Was regelte die Heirat am 4. August 1782?
Am 4. August 1782 heirateten Mozart und Constanze mit Dispens vom dreimaligen Aufgebot. Du kannst den Dispens als Befreiung von der dreimaligen öffentlichen Ankündigung verstehen, die sonst vor einer Trauung üblich war. Nach dem, was Mozart in seinen Briefen an den Vater festhielt, war es eine glückliche Ehe. Sie gab ihm die Anregung, die er für seine Kompositionen brauchte. Du siehst daran, wie eng Alltag und Arbeitsrhythmus verknüpft waren. Sie begleitete ihn auch auf den meisten seiner Reisen, was bei den damaligen Wegverhältnissen Verzicht auf häuslichen Komfort bedeutete.
Welche Partie schrieb Mozart für ihre Stimme?
Mehrere Werke wurden für sie geschrieben, darunter die Sopranpartie der Großen c-Moll-Messe. Du kannst dir diese Partie als hohe, tragende Linie über Chor und Orchester vorstellen, die saubere Intonation und Atemkontrolle verlangt. Sie sollte die Partie bei der Uraufführung in der Salzburger Peterskirche singen. Mehr Hintergrund zu Leben und Rollen findest du in der Darstellung über Constanze Mozart mit Daten und Stationen. Für dich als Hörer von heute lohnt es sich, beim Hören auf Einsätze, Pausen und Übergänge zu achten. So hörst du, wie weit eine Stimme damals im Kirchenraum trug, ohne Mikrofon und ohne Verstärkung.
Wie sah der Alltag mit sechs Schwangerschaften aus?
Während ihrer Ehe mit Mozart war Constanze in acht Jahren sechsmal schwanger. Du erahnst, wie sehr das ihre Kräfte auslaugte und sie immer wieder ans Bett fesselte. Die Kinder hießen Raimund Leopold, geboren 1783, Carl Thomas, 1784 bis 1858, Johann Leopold, geboren 1786, Theresia, geboren 1787, Anna, geboren 1789, und Franz Xaver Wolfgang, 1791 bis 1844. Vier von ihnen starben als Säuglinge. Dazu kamen häufige Umzüge und die Geldprobleme der letzten Jahre. Für dich zeigt das, wie wenig planbar ein Haushalt war, wenn das Einkommen schwankte und Pflege, Wege und Miete ständig neu zu ordnen waren.
Was geschah mit Mozarts Handschriften nach 1791?
Nach Mozarts Tod im Jahr 1791 stand Constanze allein mit ihren beiden Kindern und den Schulden ihres Mannes da. Du verstehst ihre Lage, wenn du Einnahmen und Ausgaben eines Haushalts ohne festes Gehalt bedenkst. Gemeinsam mit ihrer Schwester, Aloisia, veranstaltete sie mehrere Konzerte und in den Jahren 1795 bis 1796 eine Konzertreise mit Mozarts Werken. Am 23. Mai 1795 kündigte sie in der Wiener Zeitung eine Pränumeration auf eine Opera Seria im Clavier Auszuge von Mozart an. Die Vorbestellung lief in Wien bei der Musikalienhandlung Artaria und Co oder bei der unterzeichneten Wittwe selbst in der Krugerstrasse beym blauen Säbel Nr. 1047 im zweiten Stock. Die Kinder brachte sie auf das Landgut Vila Bertramka des befreundeten Ehepaars, Josepha und Franz Xaver Duschek, bei Prag. Die in ihrem Besitz befindlichen Autographe verkaufte sie nicht sofort. Sie vergab die Publikationsrechte an den Verlag Breitkopf und Härtel, bat aber um deren Rücksendung. Nachdem Verhandlungen über einen Verkauf mit diesem Verlag gescheitert waren, veräußerte sie zur Jahreswende von 1799 auf 1800 den Nachlass für 3.150 Gulden an den Offenbacher Komponisten und Musikverleger Johann Anton André. Es war maßgeblich ihr zu verdanken, dass Wolfgangs Autographe nicht in alle Welt verstreut wurden. Die Seite über Weber-Familie und Mozart-Zeit hilft dir, diese Orte und Personen zu verorten.
Warum führte ihr Weg nach Kopenhagen und Salzburg?
Im Jahr 1809 heiratete Constanze in Preßburg den dänischen Legationssekretär und Diplomaten Georg Nikolaus Nissen. Du folgst ihr 1810 nach Kopenhagen, dann zwischen 1820 und 1824 auf Reisen durch Deutschland, bevor das Ehepaar im August 1824 nach Salzburg zog. Spätestens dort begannen sie gemeinsam die Arbeit an einer der ersten Biografien über Mozart. Sie konnten dabei auf zahlreiche Briefe aus der Familienkorrespondenz zurückgreifen, die Mozarts Schwester Maria Anna ihnen überlassen hatte. Nissen starb 1826. Constanze gab die Biografie 1828 posthum heraus. 1826 zog ihre verwitwete Schwester Sophie zu ihr und betreute sie bis zu Constanzes Tod. Am 8. März 1842 wurden Constanzes sterbliche Überreste im Grab der Familie Nissen Mozart auf dem Sankt Sebastiansfriedhof in Salzburg beigesetzt. Ihr Schwiegervater Leopold Mozart ruht nicht in diesem Grab, sondern in der Kommunalgruft von Sankt Sebastian.
Wie bleibt Constanze in Zell sichtbar?
Im Jahr 2005 wurde in Altötting eine Kopie einer angeblich aus dem Jahr 1840 stammenden Daguerreotypie wiedergefunden. Du siehst darauf angeblich die 78-jährige Constanze gemeinsam mit der Familie des Komponisten Max Keller. Die Echtheit wurde angezweifelt, weil die Daguerreotypie erst ein Jahr zuvor erfunden worden war und andere Freilichtgruppenbilder aus dieser Zeit nicht überliefert waren. Eine Aufnahme des Hamburger Künstlervereins von Carl Ferdinand Stelzner stammt aus dem Jahr 1843. Eine Untersuchung des Bayerischen Landeskriminalamts kam zu dem Ergebnis, dass etliche Merkmale im Gesicht der alten Dame auch auf früheren Porträts von Constanze zu finden sind. Das Foto wurde wahrscheinlich von dem Burghauser Künstler Karl Klemens della Croce aufgenommen, einem Enkel von Johann Nepomuk della Croce. 2006 wurde die musikalische Komödie Die Weberischen von Felix Mitterer, die die Geschichte von Constanze Mozart und ihrer Familie erzählt, von den Vereinigten Bühnen Wien uraufgeführt. Heidi Knoblich veröffentlichte 2006 den biografischen Roman Constanze Mozart, geborene Weber. Auf ihre Initiative wurde eine neue Beetrose des Zuchtbetriebs W. Kordes Söhne, Constanze Mozart, benannt und am 13. Juli 2012 von Gräfin Bettina Bernadotte auf diesen Namen getauft. Am 29. Juli wurde ein mit Constanze Mozart bepflanztes Beet im Stadtpark von Constanzes Geburtsort Zell feierlich enthüllt. Wenn du das Beet suchst, gehe im Sommer durch den Stadtpark von Zell und vergleiche Blüte und Schild mit dem Rosennamen.
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